Was eigentlich nicht für möglich gehalten wurde, ist dennoch eingetreten. Unser Chor hatte sich gegenüber seinem Konzert zwei Wochen zuvor in Oberthal noch einmal deutlich gesteigert.
Acht Besucher waren eigens zu diesem Konzert vom elsässischen Mutzig 200 Kilometer nach Freisen gereist. Ihr Fazit nach dem Konzert: „Der Gesang des Kinder- und Jugendchores Freisen trifft direkt ins Herz. Im Dezember kommen wir wieder zum Adventskonzert.“ Überhaupt hatten viele Besucher weite Anfahrtswege auf sich genommen: Besucher aus dem südlichen Saarland bis hinauf an die Mosel sind mittlerweile echte Fans des Chores und kommen immer wieder zu seinen Konzerten.
Einen fulminanten Start gab es zunächst einmal mit dem Vorchor unter der neuen Leitung von Sabine Ditzler. Schon mit dem ersten Lied hatten sechs Mädchen und ein Junge das Publikum auf ihrer Seite. „Kann mich irgendjemand hör’n?“ aus dem Kinoerfolg „Die Schule der magischen Tiere 2“ begeisterte das Publikum. Nach vier Titeln durfte der Vorchor noch nicht von der Bühne. Die Konzertbesucher forderten lautstark eine Zugabe, die mit dem Körperteile-Blues gewährt wurde. Natürlich machte das Publikum dabei die Bewegungen der Kinder ordentlich mit und entließ die Kleinen im Alter von fünf bis zehn Jahren mit frenetischem Beifall.
Foto: Martina Jost
Als dann unsere 32 Sängerinnen und Sänger auf die Bühne kamen, gab es beim Publikum kein Halten mehr. Der Applaus wollte nicht enden und gab schon Vorschusslorbeeren für das anstehende Konzert. Chorleiter Rolf Mohr begrüßte enthusiastisch das Publikum und war erfreut über die vielen Besucher, die trotz vieler Angebote in der Umgebung zu genau unserem Konzert gekommen waren.
Mit „Amigos para siempre“ (Freunde für immer) von Andrew Llloyd Webber dokumentierten die Choristen ihre tiefe zwischenmenschliche Verbindung untereinander. Sie bezogen aber ausdrücklich auch ihr Publikum, ihre Fans, Follower und Freunde dabei mit ein. Einen ersten Höhepunkt gab es dabei, als der Refrain in höchsten Tönen glaskar gesangstechnisch sauber gesungen wurde.
„Gimme Hope, Jo’anna“ war ein Protestsong gegen das damalige Apartheid-Regime in Südafrika. Der Refrain forderte die Hoffnung auf Veränderung und ein besseres Leben. Der Chor meisterte auch dieses Lied mit bravourösem dreistimmigen Gesang, der rhythmisch zum Mit-Schnipsen einlud.
Bei „Ist das nichts?“, einem Titel ehemals von Udo Jürgens gesungen, handelt es sich um ein fast schon philosophisches Lied, das sowohl melancholisch als auch lebensbejahend ist. Es konfrontiert uns mit unserer eigenen Undankbarkeit gegenüber dem alltäglichen Glück. In einem wunderschönen dreistimmigen Chorsatz von Chorleiter Rolf Mohr klang der Chor phantastisch gut und traf genau die Intention des Textes.
Dann folgte das erste Solo, gesungen von der zwölfjährigen Nina Litt. Aus dem Musical „Les Miserables“ sang sie den Part der Cosette mit dem Titel „Castle on a cloud“. Ausgestattet mit einem Wischmopp spielte sie das kleine Mädchen, das unter der grausamen Knute der Ténardiers im Wirtshaus schuften musste. Nina Litt träumte stilecht mit einer imposanten Gesangs-Technik von diesem Schloss auf einer Wolke. Besonders beeindruckend war ihr Part, als sie von einer Frau in Weiß träumte, die ihr zuraunte „Cosette, ich liebe dich sehr“. Dafür gab es die ersten stehenden Ovationen des gesamten Publikums.
Rolf Mohr erläuterte, dass seit mehreren Jahren auf ausdrücklichen Wunsch der Follower immer ein deutsches Volkslied auf dem Konzertprogramm steht. Alle Zuhörer staunten, wie frisch und wunderbar polyphon der Chorsatz von „Horch, was kommt von draußen rein“ klang, sodass es auch hierfür sogar stehenden Applaus gab.
„I don’t wanna talk about it“ (Ich will nicht darüber reden), unter anderem von Rod Stewart gesungen, beschreibt die schmerzhafte Phase am Ende einer Liebesbeziehung. Dies gelang der nächsten Solistin Jasmin Krauss mit Bravour, in den Gesang der Strophen rüberzutransportieren. Im Refrain überzeugte wieder einmal der Chor mit seiner Stimmgewalt und damit dem Ausdruck des Trennungsschmerzens.
Lea-Sophie Volz ist schon eine mittlerweile dem Publikum wohlbekannte Chorsängerin, die auch dieses Mal mit dem Solo aus Puccinis weltberühmter Arie „ O mio babino caro“ vollends überzeugte. Glasklare Höhen und langer Atem, ihr voluminöser Klang ließen das Publikum staunen, sodass auch dieses Mal alle Konzertbesucher den Beitrag mit stehendem langen Applaus belohnten.
Dann folgte etwas sehr Anrührendes: Mit einem Disney-Medley berührten unsere 32 Choristen die Herzen des Publikums. Viele gefühlvolle Passagen folgten auf kindliche Begeisterung, leise und laute Passagen wechselten sich ab, als der Chor die bekannten Titel aus Cinderella (A dream is a wish your heart makes), The little Mermaid (Part of your world), Aladdin (A whole new world) und schließlich aus Pocahontas (Colors of the wind) sang. Ein wahres Meisterstück des Chores, das wieder einmal zu Standing Ovations führte.
Mit dem Titel „Only you“ von The Flying Pickets stellte sich der Chor selbst vor eine große Herausforderung: Wie im Original sangen die Choristen das Lied a capella, also ohne Begleitung durch das Piano, im dreistimmigen Originalsatz. Ein schwieriges Unterfangen, das selbst einen Erwachsenenchor vor Herausforderungen stellt. Unser Kinder- und Jugendchor Freisen meisterte aber auch diese Schwierigkeit mit beeindruckender Bravour, sodass es auch dieses Mal vor Begeisterung kein Halten im Publikum gab.
Dankbar zeigten sich die Konzertbesucher, als sie erfuhren, dass nun ABBA mit „Thank you for the music“ auf dem Programm stand. In gewohnt sicherer Manier überzeugte auch bei diesem Titel der Chor vollends und riss die Zuhörer mit.
Dann folgte ein weiterer Höhepunkt mit dem Solo von Tamia Schäfer. Auch sie befindet sich wie Lea-Sophie Volz seit Jahren in der Gesangsausbildung bei Rolf Mohr und war in der Vergangenheit stets ein Garant für ganz große Gesangskunst. Mit dem Whitney-Houston-Titel „I have nothing“ aus dem Soundtrack zu dem Film „The Bodyguard“ wagte sich Tamia Schäfer an eines der gesanglich schwierigsten Titel aus der Popmusik. Es gelang ihr, die tiefe Liebe der Protagonistin, ihre Verletztlichkeit und ihre Angst vor Verlust sehr überzeugend darzustellen. Dabei ging es gesanglich vom Fortissimo in höchsten Höhen bis ins Pianissimo im tiefen Register, was Tamia Schäfer mit bester Gesangstechnik und mit Bravour gelang. Chorleiter Rolf Mohr attestierte ihr in seiner Moderation die erste Bundesliga im Gesang. Natürlich gab es auch dieses Mal wieder lange stehende Ovationen des Publikums.
Gegen Ende des Konzertes forderte Rolf Mohr die Besucher zum Mitsingen auf. Das wurde vom Publikum bei den Titeln „O when the Saints“ und „Amen“ sehr gerne angenommen. Kein Halten mehr gab es am Schluss bei einem Walzermedley mit den Liedern „Tulpen aus Amsterdam“, „Que sera sera“ und „Sierra Madre del Sur“, wobei nicht nur der Chor auf der Bühne, sondern auch das gesamte Publikum mitschunkelte und lauthals mitsang.
Obwohl das erste WM-Fußballspiel der deutschen Mannschaft zeitnah anstand, entließen die Konzertbesucher den Chor nicht ohne zwei Zugaben. Diese wurden mit „Mama Loo“ (Les Humphries Singers) und „Oh happy day“ gerne gewährt.